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Vorstellung des Schulversuchs sechsjährige Volksschule

Grundkompetenzen und Talente werden stärker gefördert, es entsteht mehr Chancengerechtigkeit und die soziale Herkunft soll den Bildungsweg der Kinder künftig weniger bestimmen als bisher.

© BMB/Paul Gruber

© BMB/Paul Gruber

In Österreich müssen sich Kinder bereits mit zehn Jahren – nach nur vier Jahren Volksschule – zwischen AHS und Mittelschule entscheiden. Damit erfolgt die Trennung früher als in den meisten europäischen Schulsystemen. PISA 2025 zeigt erneut große Leistungsunterschiede nach sozialer Herkunft. Internationale Evidenz weist darauf hin, dass längeres gemeinsames Lernen die Chancengerechtigkeit stärkt, während eine frühe Trennung Herkunftseffekte verstärkt, ohne nachweislich das durchschnittliche Leistungsniveau zu verbessern. Mit zehn Jahren haben viele Kinder ihr Potenzial noch nicht voll entwickelt. Die Wahl der Schulform hängt daher häufig auch vom sozialen und familiären Hintergrund ab.

Die sechsjährige Volksschule setzt auf längeres gemeinsames Lernen, kontinuierliche Förderung und Individualisierung. Kinder erhalten mehr Zeit, ihre Stärken und Interessen zu entwickeln, Grundkompetenzen und Talente werden gezielter gefördert. Gleichzeitig soll der Übergang in die Sekundarstufe sanfter und die Entscheidung zwischen Mittelschule und AHS später und passender getroffen werden. Der Druck beim Schulwechsel wird dadurch reduziert und die soziale Herkunft soll den Bildungsweg weniger stark bestimmen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist „Persönlichkeitsbildung“: In den ersten vier Jahren wird sie in den Unterricht integriert, in den letzten beiden Jahren als eigener Gegenstand unterrichtet. Im Mittelpunkt stehen soziale Entwicklung, Selbstvertrauen, Resilienz und die Vorbereitung auf den nächsten Bildungsabschnitt.

Heute entscheidet sich der Bildungsweg bereits in einem Alter, in dem sich Interessen, Fähigkeiten und Persönlichkeit noch stark entwickeln. Die sechsjährige Volksschule gibt Kindern zwei Jahre mehr Zeit, ihre Stärken zu entfalten, Grundkompetenzen zu festigen und selbstbewusst ihren Weg zu finden.
Christoph Wiederkehr

Bundesminister für Bildung

Im Rahmen eines Schulversuchs wird die Volksschule nun an freiwilligen Pilotschulen auf sechs Jahre verlängert. Pilotschulen können freiwillig mit einem ganzen Jahrgang oder auch mit einzelnen Klassen teilnehmen. Voraussetzung für eine Teilnahme sind die Zustimmung der betroffenen Eltern und Lehrpersonen, sowie eine gesicherte Kooperation mit einer nahe gelegenen Schule der Sekundarstufe I (AHS oder Mittelschule).

Besonderheiten des Konzepts der sechsjährigen Volksschule:

  • Schulartenübergreifende Kooperation: Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen planen gemeinsam, verfolgen ein gemeinsames pädagogisches Konzept und schaffen einen durchgängigen Bildungsraum von der ersten bis zur sechsten Schulstufe.
  • Stufenweiser Aufbau des Lehrendenteams: Ab der Grundstufe II wird das Lehrpersonenteam kontinuierlich durch Fachlehrpersonen erweitert.
  • Persönlichkeitsbildung als durchgehendes Fundament: Im Rahmen des neuen Unterrichtsgegenstandes sollen Kinder in ihrer sozialen Entwicklung, ihrem Selbstvertrauen, ihrer Resilienz, ihrem Lernverhalten und in der Vorbereitung auf den nächsten Bildungsabschnitt gestärkt werden.
  • Individualisierte Talenteförderung: Leistungsstarke Kinder sollen gefördert und Kinder mit Förderbedarf stärker unterstützt werden.
  • Weniger Druck, mehr Gerechtigkeit: Schüler:innen können eine passendere und informierte Entscheidung hinsichtlich ihres weiteren Schulweges treffen und entweder in die AHS oder die Mittelschule übertreten.

Die sechsjährige Volksschule bedeutet nicht nur zwei Jahre länger Volksschule, sondern einen neuen pädagogischen Weg. Kinder wachsen schrittweise in die Anforderungen der Sekundarstufe hinein, ohne dabei vertraute Beziehungen und stabile Lernumgebungen zu verlieren. Volksschule, Mittelschule und AHS arbeiten enger zusammen und begleiten jedes Kind kontinuierlich. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kinder ihre persönlichen Stärken bestmöglich entfalten können.

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